Neue Wildnis für das Mittelrheintal - Was wollen wir mit der halbwilden Haltung von Weidetieren erreichen?

Das obere Mittelrheintal ist UNESCO-Weltnatur- und -kulturerbe. Charakteristisch sind seine offenen Hänge, vor allem geprägt durch den Anbau von Wein und Obst.

In dieser offenen, wärmebegünstigten Landschaft konnte sich eine einmalige Artenvielfalt erhalten. Da sich die wirtschaftliche Nutzung heute aber kaum noch lohnt, liegen viele Hänge brach und verbuschen.

Konsequenz: Die Arten sind vom Aussterben bedroht! Hier setzt unser Projekt an. Bei Kamp-Bornhofen (www.kamp-bornhofen.de) unterhalb der
Burgen Sterrenberg und Liebenstein - auch "Feindliche Brüder" genannt, weiden seit 2003 auf einer Fläche von etwa 60 ha Burenziegen und
Exmoorponys. Sie sollen das weitere Zuwachsen verhindern und eine halboffene Weidelandschaft entstehen lassen. Gehölze und Büsche sollen,
abwechselnd mit Felsen und artenreichen, mageren Wiesen, die mosaikartige Landschaft früherer Zeiten wiederherstellen.

Lage und Abgrenzung des Teilprojekts Halbwilde Haltung, Abb.: Holger Schanz

Die robusten Haustierrassen sind an das extreme Gelände angepasst und kommen mit der vorhandenen Nahrung gut zurecht. Die Tiere werden das ganze Jahr im Freien gehalten. Sie sollen ohne zusätzliche Fütterung auskommen und werden regelmäßig von einem Veterinär überprüft. Lediglich im Winter wird bei extremer Witterung zugefüttert. Überzählige Tiere können in andere Projekte verkauft oder - im Fall der Ziegen - sozusagen als "Wildfleisch" regional vermarktet werden.

 
Projektabgrenzung Halbwilde Haltung, Abb.: Holger Schanz

Die heranwachsenden Tiere führen so zu einer zukunftsweisenden Verzahnung zwischen Nutzung und Wildnis am Mittelrhein. Durch das kleinteilige Mosaik aus Wiesen, Gebüschen und kleinen Wäldchen verringert sich auch die Gefahr großer Hangrutschungen, die in überalterten, geschlossenen Hangwäldern eher auftreten.

Die Burenziege stammt aus Südafrika und ist eine in der Landschaftspflege oft eingesetzte Fleischrasse. Sie hat ein ruhiges Temperament und lässt sich sehr gut gemeinsam mit anderen Tieren halten. Ihre auffälligsten Merkmale sind die "Rümpfnase" und die langen "Schlappohren", beides eine Anpassungen an trockenwarmes Klima. Sie ist für ihren Heißhunger auf Gestrüpp und Rinde bekannt.

 
Weiterführende Informationen zur Burenziege finden Sie auf der Seite des Landesverband Rheinischer Ziegenzüchter e.V.
(www.ziegenzucht-rheinland.de/r_buren.html)
Bild Burenziegenbock, Foto: Holger Schanz
Burenziegen, Foto: Holger Schanz

Das Exmoorpony ist ein ursprünglicher Pferdetyp und geht auf Ponys zurück, die während der Bronzezeit durch keltische Einwanderer nach England gebracht wurden. Die Tiere werden in Exmoor im Südwesten des Landes seit mindestens dem 11. Jahrhundert halbwild gehalten. Sie kommen sehr gut mit geringwertigem Futter zurecht. Auf ihrem Speisezettel stehen neben Gräsern und Kräutern auch Brennesseln, Brombeeren sowie Knospen und Zweige.

 
Weiterführende Informationen zum Exmoorpony finden Sie auf der Seite der Deutschen Exmoor-Pony Gesellschaft (www.exmoorpony.info)
Exmoorpony, Foto: Holger Schanz